Wie die Stasi den Wintersport beeinflusste

Annaberg-Buchholz (ERZ). Einem spannendem Thema widmet sich das nächste Forum Zeitgeschichte in Annaberg-Buchholz. Am 4. Februar geht es ab 18 Uhr im Haus des Gastes Erzhammer um den Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie der DDR-Staats- und Parteiführung auf den Wintersport. Referent ist der Sportjournalist Thomas Purschke. Er recherchierte die Praxis von Konspiration, Doping und Überwachung in den Wintersportclubs sowie in den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR. In seinem Vortrag verdeutlicht er die Verstrickung von Sportlern, Funktionären, Trainern und Ärzten in
geheime, vom MfS gedeckte Dopingpraktiken.

Aus seiner Sicht hatte der Leistungssport für die DDR-Staats- und Parteiführung immense Bedeutung. In den Sportarenen der Welt sollte die Überlegenheit des Sozialismus demonstriert werden. Im Rahmen der
“Klassenauseinandersetzung mit dem Imperialismus” habe die DDR zumindest auf dem sportlichen Feld Weltniveau erreicht. Extremes Sicherheitsdenken sei beim Sport einher gegangen mit aufwändigen  Forschungen zur Leistungssteigerung. Das Ministerium für Staatssicherheit habe in der Sportpolitik eine Schlüsselstellung eingenommen. Die Wintersportorte Klingenthal und Oberwiesenthal gehörten nach seiner Lesart zu den Zentrendes „Klassenkampfs im Sport“.

Vor Ort ist auch der Zeitzeuge Claus Tuchscherer, 1976 Olympia-Fünfter in der Nordischen Kombination. Er startete einst für den Sportclub Dynamo Klingenthal. Während der Olympischen Winterspiele 1976 setzte sich Claus Tuchscherer in Innsbruck von der DDR-Mannschaft ab, weil er sich in eine junge Österreicherin verliebt hatte. In der DDR galt er daraufhin als Verräter. Fortan startete er als Skispringer für die Alpenrepublik, wo er auch heute noch wohnt.

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