Ausflugstipp: Karlsbad (Karolvý Varý)
(red). Karlsbad (Karlový Varý) liegt am Zusammenfluss der Eger (tschechisch Ohře) mit dem Flüsschen Teplá (deutsch Tepl). Das Stadtzentrum mit der Verwaltung, dem unteren Bahnhof (dolní nádraží) und den Industriebetrieben liegt im flachen Egertal. Die Kuranlagen befinden sich im schmalen, südlich gelegenen Tal der Teplá. Wann die Gegend um Karlsbad besiedelt wurde, ist nicht genau bekannt. Es wurden Siedlungsspuren aus der Urzeit, der späteren Bronzezeit, sowie aus den Anfängen der slawischen Besiedlung gefunden.
Schon im 14. Jahrhundert dürfte die Heilwirkung der Karlsbader Thermalquellen bekannt gewesen sein. Am 14. August 1370 erhob der böhmische König und römisch-deutscher Kaiser Karl IV. den schon vorher bestehenden Ort Vary (Warmbad), der daraufhin nach ihm benannt wurde, zur Königsstadt. Die Quellen wurden zunächst für Bäder genutzt, ab dem 16. Jahrhundert aber auch für die Trinkkur. 1522 erschien die erste schriftliche Abhandlung über die Quellen.
Der Zweite Weltkrieg brachte den Kurbetrieb zum Erliegen. Während des Krieges war Karlsbad Lazarettstadt und als solche international gemeldet und gekennzeichnet; trotzdem wurde die Stadt im September 1944 und im April 1945 durch die USAAF bombardiert. Im Mai 1945 wurde Karlsbad durch die US-Armee eingenommen und besetzt. Die Kureinrichtungen wurden 1946 verstaatlicht.
Seit dem Ende des kommunistischen Regimes, also seit 1989, ist der Kurbetrieb wieder auf internationales Publikum ausgerichtet und wird stark gefördert.
Die gut erhaltenen historischen Kureinrichtungen laden zum Verweilen und Promenieren ein. Berühmt sind die Weißen Kolonnaden. Auch moderne Kureinrichtungen setzen die Tradition der altehrwürdigen Kurstadt fort. Karlsbad besitzt insgesamt 14 Quellen. Die bekannteste und stärkste befindet sich in den Weißen Kolonnaden und wird Sprudel (Vřídlo) genannt. Sie ist 72 °C heiß, schießt bis 14 Meter in die Höhe und besitzt eine Schüttung von 2000 Litern pro Minute. Berühmt ist auch das 1701 gegründete, am Ufer der Teplá gelegene Grandhotel Pupp.
Die größte architektonische Sehenswürdigkeit ist die 1736 von Kilian Ignaz Dientzenhofer erbaute Kirche der Maria Magdalena oberhalb des Sprudels. In Sichtweite steht das Stadttheater von 1886. Ebenfalls sehr sehenswert ist die russisch-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul in der Straße Krále Jiřího mit ihren goldenen Kuppeldächern. Oberhalb der Stadt steht der mittels Standseilbahn zugängliche Aussichtsturm Diana. Er ist 35 Meter hoch, wurde 1914 erbaut und hieß ursprünglich Freundschaftsaussichtsturm.
Im westlichen Vorort Doubí im Egertal befindet sich der sagenumwobene Hans-Heiling-Felsen. Fünf Kilometer weiter egeraufwärts steht die gut erhaltene und zugängliche Burg Loket, wo zahlreiche Kulturveranstaltungen stattfinden, und die älteste Kettenbrücke Böhmens von 1836. Von großer Bedeutung ist das alljährlich stattfindende Internationale Filmfestival Karlovy Vary. Das Stammhaus des bekannten Kräuterschnapses Becherovka (Karlsbader Becherbitter) befindet sich ebenfalls in Karlsbad. In dem „becherovkagrün” gestrichenen Haus ist ein Museum mit Ausstellungsstücken rund um diesen Schnaps untergebracht. Eine weitere Spezialität sind die Karlsbader Oblaten, ein Feingebäck, das Klein- und Kleinstbäcker frisch hergestellt im Straßenverkauf anbieten.
Kategorie(n): Kultur, Tipps
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